Theater in Originalversion

Theatertreffen vor ausverkauften Rängen

Alles begann 1962 mit einer Gruppe von Germanistik-Studenten der Universität Lüttich, die beschlossen, sich der deutschen Literatur auf einem anderen Weg anzunähern als auf dem der literaturgeschichtlichen Vorlesung. Diese Initiative nahm in der Inszenierung eines Theaterstücks in der Sprache Goethes konkrete Formen an.

In Fortführung dieses Theaterprojekts der Lütticher Germanisten fand im Jahr 1983 in der „Cité ardente“ das von Robert Germay geleitete Festival international de théâtre universitaire de Liège (Fitu) statt, zu dem zahlreiche studentische Theatergruppen aus ganz Europa eingeladen waren. Im Kulturzentrum des damaligen Sart Tilman bot sich ihnen eine einzigartige Gelegenheit zum Austausch theatraler Praktiken und zu gegenseitiger kultureller Bereicherung. Im Jahr 1987 schließlich gaben die Organisatoren dieser Veranstaltung, die nun im jährlichen Rhythmus stattfand, den Namen „Festival“ auf und wählten stattdessen mit „Treffen“ („rencontre“) einen Begriff, der dem Geist der freundschaftlichen Begegnungen, denen hier Raum gegeben wurde, besser zu entsprechen schien: ein Raum des Lernens sowohl für die Schauspieler als auch für die Zuschauer. Dieser Begriff ist in die Bezeichnung „Ritu“ („Rencontre internationale du théâtre universitaire“) eingegangen, die sich inzwischen durchgesetzt hat.

„In diesem Jahr wird ,Ritu’ aufgrund von Mittelkürzungen in einer Light-Version an den Start gehen“, erläutert Alain Chevalier, der Ko-Intendant des Théâtre universitaire royal de Liège (TURLg). „Diesmal werden ausschließlich europäische Theatergruppen dabei sein, und zwar vornehmlich aus Nachbarstaaten: aus Deutschland, Spanien, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien, Polen und Estland. Die Aufführungen, die auf vier anstatt wie bisher sieben Tage verteilt sind, finden von Montag, 27. Februar, bis Freitag, 2. März, im Zentrum von Lüttich statt: in der Bibliothek „Les Chiroux“ und im Gebäude A4, Quai Roosevelt 1b. Die jungen Teilnehmer sind in der Jugendherberge Georges Simenon untergebracht. Auch dort sollen, vor allem vormittags, Aktivitäten stattfinden, die mit der Kunst des Theaters in Verbindung stehen.“

Die Einschränkungen beim Budget gehen ganz offensichtlich nicht mit einem Verlust an Qualität beim Programm einher. „Im Gegenteil!“, bekräftigt Chevalier, „So werden u.a. Workshops zur schauspielerischen Praxis stattfinden, außerdem wird es einen Runden Tisch geben, an dem die Leiter der aktiv teilnehmenden Theatergruppen mit denen anderer Kompagnien zusammentreffen. Darüber hinaus wird es eine Zusammenkunft des Exekutivausschusses der Association internationale du théâtre à l’université (Aitu) geben, einer Vereinigung, die aus den ,Ritu’-Treffen heraus entstandenist und deren nächster Kongress in Minsk/Weißrussland stattfinden wird. Auch für Unterhaltung wird gesorgt sein: Am Mittwoch, dem 29. Februar, sind alle Teilnehmer zu einer großen Tanzparty eingeladen.“

Gerade jetzt, im ,Jahr der Sprachen“ an der Universität Lüttich, sind diese Theatertage von besonderer Bedeutung, denn da bei den Vorstellungen keine französische Untertitelung vorgesehen ist, wird jede Inszenierung in der Sprache des jeweiligen Herkunftslandes gezeigt: ein Faust auf deutsch, Lorca auf spanisch, Shakespeare auf englisch. Ausnahmen bilden lediglich zwei Eigeninszenierungen des TURLg (Der Proceß von Kafka und Der Turm zu Babel von Arrabal). Da versteht es sich von selbst, dass Schüler, jüngere und ältere, bei diesen Veranstaltungen ganz besonders willkommen sind. Hier kann ihnen bewusst werden, dass das Theater als Quelle der Lebendigkeit und des Vergnügens eine ganz und gar kollektive Kunstform ist: „Theater ist offen für alle Mitglieder der universitären Gemeinschaft“, betont Alain Chevalier, der uns jetzt schon ein Wiedersehen im Jahr 2013 in Aussicht stellt. Bei einem neuen ,Ritu’ mit größerer internationaler Spannweite, das dann wieder an das alte Modell anknüpft.

Henri Deleersnijder

Übersetzung aus dem Französischen: Vera Viehöver

Ritu 2012
27. Februar bis 2. März 2012.

Nähere Informationen und Programm auf der Website www.turlg.be (unter ,Ritu’).

Kontakt: tel. 0032.(0)4.366.53.78, e-mail turlg@ulg.ac.be

 

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